„Jeder sieht, was Du scheinst. Nur wenige fühlen, wie Du bist.“ – Niccolò Machiavelli
Man geht spazieren. Nichts besonderes. Es ist einfach nur langweilig, man hat nichts anderes zu tun und so ein Spaziergang kann ja nicht schaden. Man will einfach nur etwas tun und nicht zu hause in der Dunkelheit sitzen. Abends ist es hier ziemlich kalt. Es erinnert mich irgendwie an das Heimatdorf meiner Eltern. Ich ziehe meine Jacke an, denn so eine Erkältung ist das letzte was man sich hier wünscht, und gehe raus. Ich mache ein paar Schritte, überquere die Straße und merke, dass es doch nicht so kalt ist. Ich greife nach dem Reißverschluss meiner Jacke und ziehe daran. Die Aufschrift „Beyoğlu“ auf meinem T-Shirt kommt zum Vorschein. Ich frage mich, warum ich nie ein T-Shirt mit der Aufschrift „Köln“ oder „Berlin“ besaß. Ich hadere, ich suche nach einer Ausrede und denke, dass ich undankbar bin. Was hat mir die Türkei schließlich gegeben, außer einem erholsamen Urlaub? Woran hat es mir in Deutschland gefehlt? Schließlich bin ich hier, weil mir der deutsche Steuerzahler dies ermöglicht hat. Ich durfte von dem deutschen Bildungssystem, Sozialsystem, Gesundheitssystem und Reichtum profitieren. Ich fühle mich schlecht.
Ich gehe weiter und denke darüber nach, was mein Human Resource Professor in der letzten Stunde über Merkel gesagt hat. Er hat sie kritisiert, weil sie sagte, dass der Muslim, der in Deutschland lebt die christlichen Werte akzeptieren zu hat. In Amerika ist das nicht so „For what?“ sagt er. Er war verwundert, meine deutschen Kommilitonen stumm und ich habe gegrinst. Jetzt konnte mein deutscher Sitznachbar mitfühlen, wie der 15 Jährige Ali sich fühlt, wenn seine Religion oder Herkunft kritisiert wird und er kein Wort raus bringt.
Ich gehe weiter und merke, dass mir langsam doch kalt wird. Ich ziehe meine Jacke wieder zu und drehe mich um, um mich auf den nach Hause Weg zu machen. Der Mann hinter mir grüßt mich. Ich grüße zurück, streiche über mein schwarzes Haar und versuche ein gequältes Lächeln auszupressen. Er beklagt sich über das Wetter. Die übliche Floskel halt. Dann fragt er mich woher ich komme. Ich bin völlig aufgewühlt und sage „Germany….
[...]
but actually,….I’m turkish.“




