Ich bin dann mal weg!


Ich erlebe gerade ein Wechselbad der Gefühle. Einerseits bin ich voller Vorfreude und kann es nicht mehr erwarten in San Diego zu landen und mich auf Wohnungssuche zu machen (möglichst nah am Ozean soll sie sein) und andererseits macht mich die Ungewissheit und Trennung von Familie und Freunden platt. Am liebsten würde ich einfach in den Flieger steigen und abhauen, weil ich Abschiede einfach nicht mag.

Schon vor mehreren Tagen haben sich die Anzeichen eines schweren Abschieds gezeichnet und haben sich immer weiter zu einer Lawine der Trauer aufgebaut. Meine Mutter redet jetzt schon davon, wie schlimm es für sie sein wird und, dass sie es nicht aushalten kann. Mein Vater dagegen sagt es zwar nicht, aber wir diskutieren in letzter Zeit erstaunlich wenig, was schon ein Zeichen dafür ist, dass er mir die letzte Zeit zu Hause versüßen will.

Meine Mutter hat es tatsächlich hinbekommen meine Freunde aus Bochum, Leverkusen und Köln zu einer Überraschungsabschiedsfeier einzuladen und mich damit, wie der Name schon sagt, zu überraschen. Bemerkenswert ist, dass sie keiner meiner Freunde aus Bochum kannte und es trotzdem hinbekommen hat alle zu erreichen. Am Abend der Abschiedsfeier sind wir dann nach Bochum gefahren und da saßen wir nun in meinem 17 m² Appartement mit 10 Mann und mit Luft wie im Pumakäfig. Dieser Tag hat mich sehr berührt und ich werde ihn sicherlich nicht vergessen.

Seit Ramadanbeginn (Ramadan kareem an alle!) aber konnte ich nur einmal zu Hause essen, weil ich wirklich jeden Tag zum Iftar eingeladen bin. Es geht sogar so weit, dass alle Iftars bis zum Abflug ausgebucht sind und ich nun zum Frühstück vor Sonnenaufgang eingeladen wurde. Bei uns werden Soldaten vor Wehrdienstübernahme und Bräute vor der Hochzeit das letzte Mal zum Essen eingeladen um sich von ihnen zu verabschieden, da ich aber beides nicht erleben werde, haben meine Verwandten und Freunde sich anscheinend einen Grund gesucht, um dieses Ritual dennoch zu vollziehen. Möge Allah sie belohnen.

Ich fliege, so Allah will, am 17. August um 9:20 los und komme so um 20:40 in San Diego an. Mit der Zeitverschiebung sind das etwa 20 Stunden Reise. Davon warte ich 5 Stunden in Atlanta auf den nächsten Flug nach San Diego. Gott sei Dank bin ich Reisender und muss nicht fasten, denn das wären mehr als 20 Stunden fasten an einem Stück.

Kontakt zu der größten Moschee vor Ort habe ich auch schon aufgebaut. Der Imam war so freundlich und hat mir versichert, dass ich Muslime in meinem Alter mit Leichtigkeit kennen lernen werde. Noch wichtiger war für mich, dass es Iftar jeden Tag in der Moschee gibt. Suppe, Milch und Datteln. Alhamdulillah 😀 Gut finde ich auch, dass es sehr wenige Türken in San Diego gibt, denn ich habe mir vorgenommen kaum was mit Türken und Deutschen zu tun zu haben. Ich glaube das ist die beste Möglichkeit um Englisch zu lernen.

Betet bitte für mich, damit ich Heil ankomme, eine gute Zeit habe und im Iman gestärkt zurück komme.

Merkwürdige Eigenarten der Amerikaner:

Jeder spricht sich mit Vornamen an. Professor, Fremde usw. Ist schon irgendwie cool und wirkt freundlich.

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von Diener Veröffentlicht in Alltag

2 Kommentare zu “Ich bin dann mal weg!

  1. Heute ist es so weit Bruder..
    Allah yardimcin olsun, hayirli yolculuklar…..
    insaAllah zorluklar cekmez, özlem duymaz ve büyük basariyla (staj?)ini bitirirsin..

  2. nachdem ich das gelesen habe habe ich gänsehaut bekommen. ich weiß nicht was ich jetzt schreiben soll, weil ich keine worte finde meine gefühle auszudrücken. 5 monate ist viel aber es wird hoffentlich schnell umgehen und du wirst dort spaß haben. Ich hab es dir glaub ich noch nie gesagt aber ich bin wirklich stolz auf dich.
    Viel spaß in san diego und vergiss uns nicht 🙂

    P.s: warum hast du nix über mich geschrieben ? 😀

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